Die Vielfalt aushalten

Ein Konzert für alle Religionen – darf man das überhaupt machen?

Das Konzept des Konzertes des Kammerchores “Collegium vocale”  mit dem Avram Ensemble in der evangelischen Kirchengemeinde Hilden, das unter dem Namen “One God” steht,  wirft erst einmal Zweifel auf. Wenn man sich das Programm des Konzertes aber ansieht, vergehen die Zweifel.

Der Kammerchor und das Avram Ensemble werden unter anderem Psalmvertonungen in mehreren Sprachen singen. Dazu gehören

  • Vertonungen des hebräischen Textes durch jüdische Kantoren,
  • Übersetzungen des hebräischen Psalmtextes ins Deutsche und Französische und ihre Vertonungen,
  • Übersetzungen des Psalmtextes ins Türkische und ihre Vertonungen.

Die kulturelle Vielfalt, die in diesen verschiedenen Psalmvertonungen in unterschiedlichen Sprachen und Kulturkreisen steckt, fällt ins Auge. Sie stört die eingefahrene Denkweise: der Muslim singt Türkisch, der Protestant singt Deutsch, der Jude singt Psalmen.

Dieses Konzept soll zum Denken über vorgefertigte Meinungen von den Religionen und ihrer Zugehörigkeit zu Nationen anregen. Bevor die Nation im 19. Jahrhundert erfunden wurde, gab es die drei Weltreligionen schon. Und in jeder von ihnen wurden Lieder zur Ehre Gottes in den unterschiedlichsten Sprachen gesungen.

Diese Vielfalt ist nicht einfach. Aber wenn man sie aushält, kommt man zu einem entspannteren Verhältnis zu den Religionen. Man nimmt den Einzelnen, der zur Ehre Gottes singt, eher wahr, und hört auf seine Ehrlichkeit bei der Verehrung Gottes.

Der Kammerchor “Collegium vocale” und das Avram Ensemble haben sich hier viel vorgenommen. Durch seine Interpretation wird die Einheit der Verehrung Gottes in der Vielfalt der Vertonungen und, ja, auch der Religionen, spürbar.

Cornelia Soldat

One thought on “Die Vielfalt aushalten

  1. Henning Rothkegel sagt:

    Wer sich hier von Fußball aufhalten lässt, wird ein tolles Konzert verpassen!

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