Bewahrung der Schöpfung

Schöpfungsmonat September – eine persönliche Theologie

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Schöpfung und was hat das mit Wandel zu tun?
Eine persönliche Theologie

Ich stelle mir das Leben wie den Atem oder die Luft vor, die durch die Lebewesen hindurchzieht und sie belebt. Dazu kommen mir Stellen aus den biblischen Schöpfungserzählungen in den Sinn, zum Beispiel in der ersten Erzählung “und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser”. Wobei das hebräische Wort für Geist “ruach” auch “Wind” oder “Atem” bedeutet. Und in der zweiten Erzählung ist zu lesen, dass Gott den Menschen aus Erde erschuf und ihm Leben einhauchte. Vermeintlich leblose Materie wird hier durch einen besonderen Kontakt mit Atemluft belebt. Und Luft fängt nicht hier an und hört dort auf. Es ist vielleicht die Luft, die Lebewesen in der ganzen Welt miteinander verbindet. Atemluft. Geist Gottes. Das ist ein Bild für Leben, das mich sehr berührt.

Das Gefühl, in das Leben eingebunden zu sein, indem ich atme, hat für mich zwei Seiten: Es ist einerseits beruhigend, ich verliere die Angst vor dem Tod, weil ich meinen Platz in der Welt fühlen kann. Andererseits ist es auch schmerzhaft. Ich nehme Verletzungen in der Welt wie eine Verletzung des Lebens wahr, das auch meines ist. Bilder von Plastikstrudeln in den Meeren sind für mich nicht mehr weit weg und ich atme die Abgase auf den Straßen zusammen mit dem Leben, dem Geist Gottes ein. Das betrifft mich.

Gott als Schöpfer zu sehen und den Menschen als Ebenbild Gottes, bedeutet für mich, dass ich mich in das Weltgeschehen als Gestalterin einfüge. Mit jedem Atemzug, mit jedem Gedanken, mit jedem Wort und mit jedem Tun nehme ich am Weltgeschehen teil und gestalte es mit. Die Verletzung des Lebens – an den Grenzen zu Europa und an jedem anderen Ort – ist eine Verletzung des Lebens, das auch ich lebe.

Gott als Schöpfergott zu sehen, bedeutet für mich die Möglichkeit zum Erhalt des Lebens beizutragen. Und dabei gibt es für mich keine klaren Grenzen zwischen dem Leben der Anderen und meinem eigenen Leben. Die Grenzen sind fließend. Wir atmen alle dieselbe Luft. Wir sind alle vom selben Geist Gottes erfüllt. Gesellschaftlich zu leben, bedeutet für mich, dafür Sorge zu tragen, dass die Luft nicht voller Kerosin ist, die Meere nicht voller Plastik, und es bedeutet, in den Augen der Menschen an den Grenzen zu Europa dasselbe Leben zu sehen, das auch aus meinen Augen guckt. Daraus erwachsen Aufgaben. Politische Aufgaben ebenso wie kleine Alltagsentscheidungen.

Susanne Pramann, Evangelische Erwachsenenbildung