Blick in die Bibel

Gedanken zum Römerbrief – Vom Ich zum Wir

Ein Bibelkreis in der evangelischen Kirchengemeinde Hilden bespricht zur Zeit den Brief des Apostels Paulus an die Römer. Hier teilt Cornelia Soldat Gedanken zu einzelnen Abschnitten.

Zu Röm. 1, 1-17. Der Beginn des Römerbriefes hat es schon in sich. Natürlich beginnt er damit, dass der Schreiber, Paulus, sich kurz als Apostel und von Christus zur Verbreitung des Evangeliums auserwählt beschreibt. Aber dann geht Paulus unvermittelt zum “Wir” über, als er seine Adressaten, die christlichen Gemeinden in Rom anspricht.

Hier wird niemand von oben herab ermahnt, wie wir uns das oft bei Paulus vorstellen. Hier werden alle einbezogen und als von Christus auserwählt bezeichnet. Alle haben das gleiche Ziel, die Verkündigung des Evangeliums oder der frohen Botschaft.

Paulus geht hier auf das grundlegende Alleinstellungsmerkmal des Christentums in seiner Zeit, den 50er Jahren nach Christi Geburt, ein. In einem römischen Imperium, das streng nach männlichen Hierarchien aufgebaut war und in dem jeder einen Platz in der Hierarchie einnahm, setzt das Christentum auf Einigkeit und Gleichheit. Alle sind gleich und gleichermaßen für die Verkündigung der frohen Botschaft verantwortlich: Arme und Reiche, Kluge und Dumme, Weise und Nichtweise, Männer und Frauen, Herren und Sklaven.

Im Bibelkreis kam die Frage nach den kirchlichen Hierarchien auf. Stellen sich die Verantwortlichen in den Kirchen der Herausforderung von Paulus noch? Oder sind sie schon so abgehoben, dass sie die Gleichheit unter den Christen nicht mehr anerkennen? Oft erscheint es uns genau so.

Und dann stellten wir uns die Frage, ob wir nicht selbst dazu beitragen, dass die Botschaft von der fundamentalen Gleichheit aller Christen nicht mehr gelebt wird. Verlassen wir uns nicht viel zu sehr darauf, dass die kirchlichen Institutionen alle Aufgaben übernehmen, die Jesus noch an uns als Getauften herangetragen hat? Die Kirchen unterstützen von unseren Kirchensteuern und Spenden Krankenhäuser, Wohnheime für Kranke, Alte, Behinderte, Kindergärten, Schulen, und ermahnen die Politiker. Haben wir es uns in dieser Struktur nicht schon viel zu bequem gemacht?

Der Anfang des Römerbriefes, in dem der Schreiber sich und die Empfangenden beschreibt, hat es ganz schön in sich und nimmt die fundamentale Botschaft von Paulus schon auf. Wir alle sind die Geliebten Gottes, die seine frohe Botschaft vom Ende aller Hierarchien und der Zugewandtheit der Menschen untereinander weitergeben sollen. Die wirkliche Arbeit besteht darin, dies adäquat umzusetzen.

Cornelia Soldat

Hier finden Sie die erste Folge der Gedanken zum Römerbrief.

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