Blick in die Bibel

Gedanken zum Römerbrief – Was ist Glauben?

Ein Bibelkreis in der evangelischen Kirchengemeinde Hilden bespricht zur Zeit den Brief des Apostels Paulus an die Römer. Hier teilt Cornelia Soldat Gedanken zu einzelnen Abschnitten.

Die Mitglieder des Bibelkreises sind im Bibellesen gewieft. Sie fallen nicht darauf herein, dass Paulus in Römer Kap. 2 und Kap. 3 eine ziemliche Judenschelte betreibt. Sie wissen genau, dass Paulus allgemein diejenigen Menschen rügt, die nicht im Glauben leben, sondern nur äußerlich so tun.

Paulus nimmt hier die Kritik auf, die Jesus an seinen jüdischen Zeitgenossen übte. Zwar können sich die Menschen an die Gesetze halten und äußerlich alle Anzeichen eines frommen Menschen geben, doch es kommt auf ihre innere Haltung an.

Nicht das Einhalten der Gesetze ist wichtig beim Glauben. Auf heute gemünzt kann man sagen: nicht jene, die jeden Sonntag in die Kirche gehen und vor dem Essen beten, sind gute Christen. Nicht alle, die getauft sind, sind auch gläubig.

Glauben ist ein großes Geschenk Gottes an die Menschen. An diesem Geschenk packen sie ihr Leben lang aus. Es zeigt sich in ihrem Umgang miteinander. Die Glaubenden überprüfen ihr Verhältnis zu Gott, zu sich selbst und ihren Mitmenschen immer wieder. Sie bemühen sich, sich anderen Menschen zuzuwenden.

Glauben in diesem Sinne ist ein Prozess, eine immerwährende Aufgabe, die sich immer neu stellt. Die Menschen handeln in unterschiedlichen Situationen immer neu und machen sich immer neue Gedanken über ihren Glauben, ihr Verhältnis zu Gott und den Menschen.

In der Osterausgabe des “Spiegel” wurde in diesem Jahr nicht darüber geschrieben, ob Jesus überhaupt auferstanden ist. Die Redakteurinnen fragten nach dem Glauben. Hierbei machten sie eine Abfrage, woran Christen glauben, mit vorgefertigten Stereotypen. Erstaunt stellten sie fest, dass gar nicht alle Christen an den Teufel glauben. Auch nicht an ein “Leben nach dem Tod. ” (Merke: laut Glaubensbekenntnis glauben Christen an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.)

Bei ihren Interviews mit angeblich professionell Glaubenden, mit Priestern und Pfarrerinnen, hätten die Spiegel-Redakteurinnen erkennen können, was Glauben eigentlich ist. Nämlich eine immerwährende Aufgabe, die jeder Mensch individuell angeht und bei dem alle auf einem anderen Stand sind.

Paulus sieht den Glauben genau so, als die immerwährende Frage, wie das Verhältnis zu Gott, den Menschen und sich selbst ist. Dies ist ein innerer Prozess, der sich äußerlich dadurch ausdrückt, wie Menschen miteinander umgehen.

Jesus sagt vom höchsten Gebot: du sollst Gott lieben mit deinem ganzen Herzen und dem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst.

Cornelia Soldat

Frühere Beiträge in der Serie:

https://www.evangelisches-hilden.de/?p=5617